Kaffee & Zubereitung

Tim Wendelboe Los Pirineos Bourbon & French Press (4/5)

4/5 Redaktionsbewertung
Kaffee & Zubereitung

Die Kombination im Überblick

Der Tim Wendelboe Los Pirineos Bourbon stammt von der Finca Los Pirineos der Familie Baraona im Tecapa-Chinameca-Gebirge im Osten El Salvadors, wächst auf 1.100 bis 1.400 Metern Höhe unter dem Schatten einheimischer Bäume und wird gewaschen aufbereitet, mit einer nächtlichen Trockenfermentation vor dem eigentlichen Waschgang. Tim Wendelboe, der Osloer Röster hinter dem Kaffee, wurde 2007 vom gleichnamigen ehemaligen World Barista Champion gegründet und setzt konsequent auf hellen, "nordischen" Röststil sowie direkten Einkauf mit veröffentlichten Ankaufspreisen. Die French Press wiederum ist eine der ältesten Zubereitungsarten überhaupt – ihre moderne Form geht auf ein 1928/29 patentiertes gefedertes Siebprinzip zurück und wird heute vor allem durch Bodums "Chambord"-Kanne verkörpert – und lässt anders als Papierfiltermethoden Öle und Feinstpartikel bewusst in der Tasse.

Warum diese Kombination funktioniert

Der Los Pirineos Bourbon fällt für einen hellen Single Origin ungewöhnlich aus: Statt heller Frucht- oder Blütennoten dominieren Schokolade, geröstete Nüsse und getrocknete Früchte bei zurückhaltender Säure und vollem Körper. Genau dieses Profil passt gut zur French Press, die durch das Durchlassen von Ölen und feinen Partikeln ohnehin einen volleren, gewichtigeren Körper erzeugt, als es jede Filtermethode könnte – hier trifft diese methodenbedingte Fülle auf einen Kaffee, der von Natur aus schon in diese Richtung tendiert, statt sie gegen seinen Charakter durchzusetzen. Eine Chemex hingegen, die auf maximale Klarheit und Leichtigkeit ausgelegt ist, würde die schokoladig-nussige Tiefe dieses Kaffees eher unterdrücken, statt sie zu betonen.

Verkostung der Kombination

In der Tasse zeigt sich die French-Press-Zubereitung von ihrer runden, vollmundigen Seite: Schokolade und geröstete Nüsse treten deutlich hervor, unterlegt von einer Ahnung getrockneter Früchte. Die ohnehin schon zurückhaltende Säure des Bourbon wird durch die trübere, körperreichere Tasse der French Press zusätzlich gedämpft, sodass praktisch keine spitzen Töne mehr wahrnehmbar sind. Die Süße bleibt gut erhalten und trägt das gesamte Geschmacksbild. Der einzige Wermutstropfen: Weil der Kaffee ohne feste Zeitbegrenzung permanent im Wasser steht, kann bei zu später Trennung von Satz und Getränk eine leichte, unaufdringliche Bitterkeit hinzukommen, die diesen an sich schon süßen, säurearmen Kaffee etwas schwerer wirken lässt, als es eine präzisere Filtermethode täte.

Zubereitungsempfehlung

Für diese Kombination empfiehlt sich ein Verhältnis von etwa 1:14 (z. B. 30 g Kaffee auf 420 g Wasser für eine 4-Tassen-Kanne) bei grobem Mahlgrad und einer Wassertemperatur von 92–94 °C – am unteren Ende der üblichen Spanne, um die ohnehin schon kräftige, körperreiche Tasse nicht zusätzlich in Richtung Bitterkeit zu drängen. Nach vier Minuten Ziehzeit sollte die sich bildende Kruste vorsichtig umgerührt und der obenauf schwimmende Schaum abgeschöpft werden, bevor gepresst wird. Entscheidend ist, den fertigen Kaffee sofort nach dem Pressen in eine separate Kanne oder direkt in die Tassen umzufüllen – bleibt er im Kontakt mit dem Satz stehen, wird aus der angenehmen Fülle dieses Kaffees schnell eine unnötige Schwere. Auch das Abschöpfen des Schaums vor dem Pressen lohnt sich bei diesem Kaffee besonders, da es einen Teil der sonst entstehenden Bitterkeit von vornherein vermeidet.

Einordnung & Vergleich

Im Vergleich zur AeroPress, die diesem Kaffee laut Röstereiempfehlung ebenfalls gut steht, liefert die French Press die spürbar vollere, aber auch weniger präzise kontrollierbare Tasse: Die AeroPress bringt die schokoladig-nussigen Noten mit etwas mehr Kontrolle über die Ziehzeit zur Geltung, während die French Press dafür den vollsten Körper aller hier getesteten Methoden liefert. Im Vergleich zum Five Elephant Kenya Thunguri AA, der über die Chemex gerade von maximaler Klarheit lebt, zeigt sich hier das genaue Gegenteil: Der Los Pirineos Bourbon gewinnt nicht durch Transparenz, sondern durch Gewicht und Fülle – ein Beleg dafür, wie unterschiedlich "die richtige Methode" je nach Kaffeeprofil ausfallen kann.

Fazit

4/5 Punkte. Die French Press passt sehr gut zum schokoladig-nussigen, körperreichen Profil des Los Pirineos Bourbon und holt genau die Fülle heraus, die diesen Kaffee auszeichnet. Der einzige Grund, warum es nicht zur vollen Punktzahl reicht: Die fehlende Zeitkontrolle der Immersionsmethode verzeiht bei diesem ohnehin schon vollmundigen Kaffee weniger Fehler als bei säurebetonteren Sorten, und eine unpräzise Ziehzeit rutscht schneller in unnötige Schwere ab, als es bei einer Filtermethode passieren würde. Wer diszipliniert nach Zeit umfüllt, bekommt hier trotzdem eine der rundesten Tassen, die sich mit diesem Kaffee erzielen lassen.

Geschmacks-Matrix der Kombination

Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.

Balance4/5
Extraktion3/5
Säure2/5
Süße4/5