Zubereitung

Hario V60

5/5 Redaktionsbewertung
Handfilter (Filterkaffee)Japan (Hario Co., Ltd.)Mittel bis mittelfein
ZubereitungHandfilter

Funktionsweise: Hario V60

Der Hario V60 ist ein konischer Handfilter, den das japanische Unternehmen Hario im Jahr 2004 auf den Markt brachte. Hario, dessen Name so viel wie "König des Glases" bedeutet, war zu diesem Zeitpunkt bereits für hitzebeständiges Laborglas bekannt und übertrug diese Präzisionsfertigung auf ein neues Kaffeewerkzeug. Der Name "V60" bezieht sich schlicht auf die geometrische Form: ein V-förmiger Trichter mit einem Öffnungswinkel von exakt 60 Grad. Charakteristisch sind außerdem die spiralförmigen Rillen an der Innenwand, die dem Filterpapier Abstand zur Wand verschaffen und so Luft entweichen lassen, sowie ein einzelnes, vergleichsweise großes Loch am unteren Ende. Diese Kombination erlaubt eine sehr direkte, von der Aufgussgeschwindigkeit der brühenden Person abhängige Kontrolle über die Durchlaufzeit – der V60 verzeiht dadurch wenig, belohnt aber Präzision mit einer besonders klaren, nuancierten Tasse.

Hario bietet den V60 in mehreren Größen an (üblicherweise als "01" für ein bis zwei Tassen und "02" für zwei bis vier Tassen) sowie in verschiedenen Materialien: Neben der ursprünglichen, hitzebeständigen Glasversion gibt es Ausführungen aus Keramik, Kunststoff und Metall, die sich vor allem in Wärmespeicherung und Gewicht unterscheiden – eine Keramikversion hält die Temperatur länger, ein Kunststofffilter ist leichter und bruchsicherer für unterwegs. Seit seiner Einführung 2004 hat sich der V60 zu einem festen Bestandteil der sogenannten Third-Wave-Coffee-Bewegung entwickelt, die Kaffee stärker als handwerkliches, herkunftsbezogenes Produkt versteht statt als reines Massengetränk, und wird auch bei internationalen Brühwettbewerben wie dem World Brewers Cup regelmäßig eingesetzt.

Geschmacksbild dieser Methode

Weil das Wasser beim V60 nur kurz und nahezu drucklos durch das Kaffeebett läuft und ausschließlich ein Papierfilter zum Einsatz kommt, der die meisten Öle und Feinstpartikel zurückhält, entsteht eine sehr klare, tee-artige Tasse mit betonter Säure und deutlich hervortretenden Aromen – ideal, um helle bis mittlere Röstungen mit komplexem Frucht- oder Blütenprofil zur Geltung zu bringen. Der Körper bleibt dabei bewusst leicht, Bitterstoffe werden bei korrekter Zubereitung kaum gelöst. Wer einen vollmundigeren, gewichtigeren Kaffee bevorzugt, ist mit einer Methode wie der French Press besser bedient, die Öle und Feinanteile im Filter belässt.

Steckbrief Hario V60:

Kategorie: Handfilter (Filterkaffee)
Herkunft: Japan (Hario Co., Ltd.)
Empfohlener Mahlgrad: Mittel bis mittelfein
Hersteller: Hario Co., Ltd., Japan (Markteinführung 2004)

Zubereitung Schritt für Schritt

  • Verhältnis: Ein gängiger Ausgangspunkt ist ein Verhältnis von 1:16, also z. B. 15 g Kaffee auf 240 g Wasser.
  • Mahlgrad: Mittel bis mittelfein, vergleichbar mit grobem Sand.
  • Wassertemperatur: Etwa 92–96 °C, je nach Röstgrad – hellere Röstungen vertragen eher die obere Temperatur.
  • Blooming: Zunächst nur die doppelte Kaffeemenge an Wasser aufgießen (z. B. 30 g), 30–45 Sekunden ziehen lassen, damit CO₂ entweichen kann.
  • Hauptaufguss: In zwei bis drei Etappen im Kreis von innen nach außen aufgießen, dabei den Wasserstand nie ganz absinken lassen.
  • Gesamtzeit: Der komplette Durchlauf sollte etwa 2:30 bis 3:00 Minuten dauern; läuft das Wasser deutlich schneller durch, hilft ein feinerer Mahlgrad, bei zu langsamem Durchlauf ein gröberer.

Eine der bekanntesten alternativen V60-Rezepturen ist die sogenannte "4:6-Methode" des japanischen Baristas Tetsu Kasuya, mit der er 2016 den World Brewers Cup gewann. Dabei wird das Gesamtwasservolumen gedanklich in 40 Prozent (für die Süße- und Säuresteuerung, aufgeteilt in zwei Aufgüsse) und 60 Prozent (für die Stärke, aufgeteilt in weitere Aufgüsse) unterteilt – ein Ansatz, der zeigt, wie stark sich allein durch die Aufgussstruktur beim V60 Süße, Säure und Stärke unabhängig voneinander steuern lassen, ohne Mahlgrad oder Kaffeemenge zu verändern.

Welche Bohnen passen zum Hario V60

  • Coffee Circle Yirgacheffe: Die feinen Frucht- und Vanillenoten dieses gewaschenen äthiopischen Kaffees kommen über den V60 besonders klar zur Geltung – siehe auch unseren Kombinationstest.
  • The Barn Gatomboya AA: Auch kräftigere, säurebetonte kenianische Kaffees lassen sich über den V60 sauber extrahieren, wobei ein etwas gröberer Mahlgrad hilft, mehr vom vollen Körper zu erhalten.

Im direkten Vergleich zur AeroPress liefert der V60 tendenziell die klarere, hellere Tasse, während die AeroPress durch die kurze Immersionsphase meist etwas mehr Körper und Süße transportiert – welche Methode die passendere ist, hängt am Ende stärker vom gewünschten Tassenprofil ab als von einer objektiv "besseren" Technik. Für unterwegs oder bei wenig Zeit ist die AeroPress durch ihre kürzere Zubereitungszeit und höhere Fehlertoleranz oft die praktischere Wahl, während der V60 vor allem dann seine Stärken ausspielt, wenn genug Zeit für einen sorgfältigen, mehrstufigen Aufguss vorhanden ist.

Geschmacksprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.

Säure4/5
Körper2/5
Bitterkeit1/5
Süße3/5