Kaffee

The Barn Gatomboya AA

4/5 Redaktionsbewertung
HellKenia, Nyeri County (Gatomboya Factory)Gewaschen (Washed)
KaffeeKeniaSingle Origin

Herkunft & Rösterei des The Barn Gatomboya AA

Der Gatomboya AA stammt aus Nyeri County im zentralkenianischen Hochland, einer der renommiertesten Anbauregionen Kenias, und wird an der Gatomboya Factory – einer gemeinschaftlich genutzten Waschstation – von mehr als 600 Kleinbauern der Barichu Farmers Cooperative Society angeliefert und verarbeitet. Angebaut wird in Höhenlagen zwischen 1.400 und 2.000 Metern, überwiegend mit den für Kenia typischen Sorten SL28 und SL34 sowie teils Batian und Ruiru 11. Die Bezeichnung "AA" ist keine Geschmacksangabe, sondern eine kenianische Größenklasse: Sie steht für die größte Siebgröße (Screen 17–18) und damit für besonders große, gleichmäßig gewachsene Bohnen – ein Qualitätsmerkmal, das in Kenias amtlichem Klassifizierungssystem seit Langem etabliert ist.

Geröstet wird der Gatomboya AA von The Barn, einer 2010 in Berlin von Ralf Rüller gegründeten Rösterei. Rüller, der zuvor eine Bankausbildung bei der Deutschen Bank sowie Stationen in Singapur, Tokio und London hinter sich hatte, gründete The Barn nach seiner Rückkehr aus London, wo ihn die dortige Specialty-Coffee-Szene rund um den Borough Market geprägt hatte. The Barn setzt konsequent auf helle, präzise Röstungen, die das Terroir der jeweiligen Herkunft möglichst unverfälscht hervortreten lassen, sowie auf Single-Origin-Kaffees statt Blends und direkte, langfristige Beziehungen zu den Erzeugern. Die Rösterei wurde von den Allegra World Coffee Portal Awards 2018 als beste unabhängige Specialty-Coffee-Bar Europas und 2019 als bester Specialty-Coffee-Röster Europas und des Nahen Ostens ausgezeichnet und exportiert mittlerweile in rund 82 Länder. Mit mittlerweile zehn Café-Standorten in Berlin und einer eigenen Rösterei im historischen, 1883 errichteten AEG-Gebäude im Brunnenviertel, die im September 2020 eröffnet wurde, gehört The Barn zu den etabliertesten Adressen der Berliner Specialty-Coffee-Szene.

Verkostung des The Barn Gatomboya AA

Der Gatomboya AA zeigt das für Kenias beste Lagen typische, sehr lebendige Säurebild: intensive Aromen von schwarzer Johannisbeere und Hibiskus, unterlegt von einer saftigen, fast sirupartigen Textur. Diese Kombination aus hoher, aber niemals unangenehmer Säure und vollem Körper gilt unter Kennern als das Markenzeichen guter kenianischer Washed-Kaffees und unterscheidet sie deutlich von den eher blumig-leichten äthiopischen Yirgacheffe-Kaffees. Süße ist vorhanden, tritt aber – anders als bei vielen äthiopischen Sorten – klar hinter die dominante Fruchtsäure zurück. Bitterkeit spielt praktisch keine Rolle, was angesichts der hellen Röstung wenig überrascht.

Steckbrief The Barn Gatomboya AA:

Röstgrad: Hell
Anbauregion: Nyeri County, Kenia, 1.400–2.000 m Höhe
Aufbereitung: Gewaschen (Washed)
Röster: The Barn, Berlin (gegründet 2010, Röster: Ralf Rüller)

Anbau & Verarbeitung im Detail: Die Gatomboya Factory

An der Gatomboya Factory liefern die Mitgliedsbauern der Barichu Farmers Cooperative Society ihre frisch geernteten Kaffeekirschen an, wo sie sorgfältig sortiert und anschließend vollständig gewaschen aufbereitet werden: Nach dem Entpulpen fermentieren die Bohnen, werden gewaschen und danach langsam auf erhöhten Trockenbetten getrocknet. Dieses in Kenia sehr präzise kontrollierte Verfahren wird von vielen Röstern als Grund für die besondere Klarheit und Struktur kenianischer Kaffees genannt. Die Sorten SL28 und SL34, in den 1930er- bis 1950er-Jahren am Scott Agricultural Laboratories in Kenia selektiert, gelten bis heute als Referenzsorten für das intensive, johannisbeerartige Säureprofil, das für kenianische Kaffees so charakteristisch ist.

Kenias amtliches Klassifizierungssystem sortiert Rohkaffee nach Bohnengröße in mehrere Klassen, von der größten Bohnengröße "E" (Elephant, sehr selten) über "AA" und "AB" bis hin zu kleineren Klassen wie "C", "TT" oder der aus abgerundeten Bohnen bestehenden Klasse "PB" (Peaberry). "AA" markiert damit zwar nicht automatisch die beste Tasse, gilt aber als verlässlicher Hinweis auf gleichmäßig ausgereifte, sorgfältig sortierte Bohnen und wird von vielen Röstereien – auch von The Barn – bevorzugt eingekauft.

Zubereitungsempfehlung für den The Barn Gatomboya AA

  • AeroPress: Die AeroPress liefert mit diesem Kaffee eine saubere, gut kontrollierbare Tasse und eignet sich besonders für alle, die die klare Fruchtsäure ohne viel Körper erleben möchten – wie unser Kombinationstest zeigt, geht dabei allerdings ein Teil des sirupartigen Mundgefühls verloren, für das kenianische AA-Kaffees eigentlich bekannt sind.
  • Hario V60: Auch über den Hario V60 lässt sich der Gatomboya AA sehr sauber extrahieren; wer den vollen Körper erhalten möchte, sollte auf einen etwas gröberen Mahlgrad und eine kürzere Gesamtzeit achten.

Im Vergleich zum blumig-leichten Coffee Circle Yirgacheffe ist der Gatomboya AA insgesamt kräftiger, saurer und körperreicher – eine gute Wahl für alle, die einen intensiven, unverkennbar kenianischen Kaffee statt eines eher zarten äthiopischen Profils suchen. Wer ihn zum ersten Mal probiert, sollte sich von der zunächst ungewohnt hohen Säure nicht abschrecken lassen: Sie ist bei diesem Kaffee kein Zubereitungsfehler, sondern ein bewusst herausgearbeitetes Herkunftsmerkmal, das erst im Zusammenspiel mit dem vollen, saftigen Körper seine volle Wirkung entfaltet.

Geschmacksprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.

Säure5/5
Körper4/5
Bitterkeit1/5
Süße3/5