Zubereitung

Kalita Wave

4/5 Redaktionsbewertung
Handfilter (Filterkaffee)Japan (Kalita Co., Ltd.)Mittel
ZubereitungFilterkaffee

Funktionsweise: Kalita Wave

Kalita wurde 1958 im Tokioter Stadtteil Nihonbashi gegründet und zählte damit bereits in den Anfangsjahren der japanischen Kaffeekultur zu den führenden Herstellern von Brühzubehör. In der Kaffeeszene hält sich hartnäckig die Geschichte, dass der Firmenname bewusst an den deutschen Filterpionier Melitta anklingen sollte – tatsächlich stellte Kalita über Jahrzehnte klassische konische Handfilter mit zwei kleinen Löchern im Boden her, die dem Melitta-Prinzip sehr ähnlich waren. Erst 2010 brachte das Unternehmen mit der Wave-Serie eine grundlegend neue Konstruktion auf den Markt, die sich deutlich von den bis dahin üblichen Kegelfiltern unterschied und als direkte Antwort auf den wenige Jahre zuvor populär gewordenen Hario V60 gelesen werden kann.

Das namensgebende Merkmal ist der flache, ebene Boden des Filters, in dem statt einer einzigen großen Öffnung drei kleine, eng beieinanderliegende Löcher sitzen. Dazu passend fertigt Kalita ein eigenes, gewelltes Filterpapier ("Wave"-Filter), dessen wellenförmig gefaltete Seitenwände nicht flach an der Kunststoff-, Keramik- oder Edelstahlwand des Drippers anliegen, sondern kleine Luftkanäle offenlassen. Dadurch kann Luft entweichen und Wasser gleichmäßig über die gesamte, flache Kaffeebettfläche verteilt ablaufen, statt sich – wie bei einem konischen Filter – in Richtung eines tiefsten Punkts zu konzentrieren. In Kombination mit den drei vergleichsweise kleinen Bodenlöchern, die den Durchfluss stärker drosseln als das einzelne große Loch des V60, entsteht ein flacheres, gleichmäßiger gesättigtes Kaffeebett, das Channeling – das ungleichmäßige "Durchschießen" des Wassers an Stellen mit geringerem Widerstand – spürbar reduziert. Weil die Fließgeschwindigkeit dadurch stärker von der Dripper-Geometrie als von der Aufgusstechnik der brühenden Person abhängt, gilt der Kalita Wave gegenüber dem V60 als deutlich fehlerverzeihender.

Kalita bietet die Wave-Dripper in den Größen 155 (für ein bis zwei Tassen) und 185 (für zwei bis vier Tassen) sowie in den Materialvarianten Edelstahl, Keramik, Glas und Kunststoff an. Bekanntheit über die Fachszene hinaus erlangte die Methode unter anderem 2013, als der US-Barista James McCarthy den World Brewers Cup mit einem Kalita Wave gewann. Seit 2022 vertreibt Kalita seine Produkte in den USA zudem über die eigene Marke Kalita USA, entstanden aus einer bereits 2016 begonnenen Partnerschaft mit dem Distributor Espresso Parts.

Geschmacksbild dieser Methode

Weil der flache Filterboden und die drei kleinen Löcher für eine gleichmäßigere Wassersättigung und eine langsamere, kontrolliertere Extraktion sorgen als beim konischen V60, liegt die Tasse des Kalita Wave geschmacklich häufig zwischen den beiden bekannteren Papierfiltermethoden: ausgewogener und etwas runder im Körper als beim V60, dabei aber immer noch klar und ohne die trübe Schwere einer French Press. Die Säure tritt spürbar, aber gedämpfter hervor als beim V60, während sich Süße und Körper etwas deutlicher entfalten können. Diese Balance macht den Kalita Wave zu einer verlässlichen, konsistenten Methode für helle bis mittlere Röstungen – gerade weil die Tasse auch bei leicht schwankender Aufgusstechnik von Tasse zu Tasse erstaunlich ähnlich ausfällt, was ihn besonders für Einsteiger attraktiv macht, die noch nicht die Präzision eines V60-Aufgusses beherrschen.

Steckbrief Kalita Wave:

Kategorie: Handfilter (Filterkaffee)
Herkunft: Japan (Kalita Co., Ltd.)
Empfohlener Mahlgrad: Mittel
Hersteller: Kalita Co., Ltd., Japan (Markteinführung Wave-Serie 2010)

Zubereitung Schritt für Schritt

  • Verhältnis: Ein guter Ausgangspunkt ist ein Verhältnis von 1:15 bis 1:16, etwa 20 g Kaffee auf 300–320 g Wasser für den Wave 185.
  • Mahlgrad: Mittel, ähnlich wie Kochsalz – etwas gröber als beim V60 ist unproblematisch, da die drei kleinen Löcher den Durchfluss ohnehin bremsen.
  • Wassertemperatur: Etwa 92–96 °C.
  • Filter vorbereiten: Den gewellten Kalita-Wave-Filter einsetzen und mit heißem Wasser vorspülen, um Papiergeschmack zu entfernen und den Dripper vorzuwärmen.
  • Blooming: Die doppelte Kaffeemenge an Wasser aufgießen (z. B. 40 g) und 30–45 Sekunden ziehen lassen, damit CO₂ entweichen kann.
  • Hauptaufguss: In zwei bis drei ruhigen, kreisenden Etappen aufgießen; wegen der drosselnden Wirkung der drei Löcher ist der Kalita Wave dabei toleranter gegenüber leicht unregelmäßigem Aufgusstempo als der V60.
  • Gesamtzeit: Der komplette Durchlauf dauert meist etwa 3:00 bis 3:30 Minuten; läuft das Wasser deutlich schneller oder langsamer durch, lässt sich das in erster Linie über den Mahlgrad korrigieren.

Welche Bohnen passen zur Kalita Wave

  • Coffee Circle Yirgacheffe: Die floralen und fruchtigen Noten dieses äthiopischen Kaffees profitieren von der ausgewogenen, gleichmäßigen Extraktion des Kalita Wave, ohne so scharf herausgestellt zu werden wie über einen V60.
  • Five Elephant Kenya Thunguri AA: Die intensive, strukturierte Säure dieses kenianischen Kaffees wird durch den etwas volleren Körper des Kalita Wave angenehm abgerundet, ohne an Klarheit zu verlieren.

Im direkten Vergleich zum Hario V60 liefert der Kalita Wave tendenziell die rundere, ausgeglichenere Tasse mit etwas mehr Körper und gedämpfterer Säure, während der V60 mehr Nuancen und eine hellere, tee-artigere Klarheit herausarbeitet, dafür aber deutlich empfindlicher auf Schwankungen in der Aufgusstechnik reagiert. Wer eine Methode sucht, die auch bei nicht ganz perfektem Aufguss zuverlässig ähnliche Ergebnisse liefert, ist mit dem Kalita Wave meist besser beraten; wer dagegen gezielt mit der Aufgusstechnik experimentieren und maximale Klarheit herausholen möchte, findet im V60 nach wie vor das präzisere Werkzeug.

Geschmacksprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.

Säure3/5
Körper3/5
Bitterkeit2/5
Süße3/5