Kaffee

Kaffeeanbauregionen der Welt: Der Bohnengürtel erklärt

Ob ein Kaffee nach Zitrusfrüchten, Schokolade oder Erde schmeckt, entscheidet sich lange bevor er geröstet wird – nämlich dort, wo die Kaffeekirschen wachsen. Kaffee gedeiht nur in einem schmalen Gürtel rund um den Äquator, dem sogenannten Bohnengürtel oder "Bean Belt". Innerhalb dieses Gürtels liegen jedoch völlig unterschiedliche Klimazonen, Böden und Höhenlagen – und genau das macht den Unterschied zwischen einem milden brasilianischen Kaffee und einem blumig-fruchtigen äthiopischen Hochlandkaffee aus.

Was ist der Bohnengürtel?

Der Bohnengürtel erstreckt sich etwa zwischen dem 25. Grad nördlicher und dem 30. Grad südlicher Breite – ungefähr zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem Wendekreis des Steinbocks. Innerhalb dieser Zone liegen nach gängigen Schätzungen rund 70 Länder, in denen Kaffee kommerziell angebaut wird, wenn auch nur eine Handvoll davon zu den großen Erzeugerländern zählt. Ideal für den Kaffeeanbau sind Regionen mit möglichst geringen Temperaturschwankungen, zuverlässig ausreichend Niederschlag, einem Wechsel aus feuchten und trockeneren Phasen sowie häufig vulkanischen, mineralreichen Böden, die Kaffeepflanzen mit Nährstoffen versorgen. Allein die zehn größten Erzeugerländer ernten zusammen bereits weit über 9 Millionen Tonnen Rohkaffee pro Jahr – ein Großteil davon wird nach wie vor von Kleinbauern angebaut, die oft nur wenige Hektar Land bewirtschaften.

Lateinamerika: Brasilien und Kolumbien

Brasilien ist der mit Abstand größte Kaffeeproduzent der Welt: Mit über 3,3 Millionen Tonnen jährlich erzeugt das Land rund 30 Prozent der weltweiten Kaffeeernte. Der Anbau findet überwiegend in weiten, sonnigen Ebenen statt, was eine maschinelle Ernte in großem Stil ermöglicht. Geschmacklich zeigen sich brasilianische Kaffees meist mild, nussig und schokoladig, mit vergleichsweise wenig Säure. Kolumbien dagegen ist deutlich gebirgiger; der Anbau erfolgt hier überwiegend in Handarbeit auf steilen Hängen der Anden. Mit knapp 840.000 Tonnen jährlich liegt Kolumbien international auf Platz drei der größten Kaffeeproduzenten. Kolumbianischer Kaffee gilt als ausgewogen und vielseitig, mit Noten von Karamell, Nüssen und milder Süße – ein Grund, warum das Land über Jahrzehnte zu den größten Kaffeeexporteuren der Welt zählte, bevor es von Vietnam auf den dritten Platz verdrängt wurde.

Afrika: Äthiopien und Kenia

Äthiopien gilt als Ursprungsland der Kaffeepflanze überhaupt: In den Wäldern der Region Kaffa wächst Arabica bis heute wild. Die genetische Vielfalt der äthiopischen Kaffeesorten ist entsprechend groß, was sich auch geschmacklich niederschlägt – typisch sind blumige, florale Noten sowie Aromen von Zitrusfrüchten und Beeren, wie sie etwa der Coffee Circle Yirgacheffe zeigt. Kenia liegt klimatisch und geschmacklich in ähnlicher Nachbarschaft: Auf vulkanischer Asche und in Höhenlagen zwischen 1500 und über 2000 Metern entstehen Kaffees mit lebendiger Säure sowie fruchtigen, beerigen und würzigen Noten, etwa im The Barn Gatomboya AA. Kenianischer Kaffee wird traditionell von Hand geerntet und anschließend auf erhöhten Trockentischen in der Sonne getrocknet.

Asien: Vietnam und Indonesien

Vietnam ist mit rund 2 Millionen Tonnen jährlich der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt – allerdings fast ausschließlich mit Robusta statt Arabica. Der kräftige, erdige und bittere Charakter vietnamesischen Kaffees macht ihn zu einer bevorzugten Wahl für Instantkaffee und kräftige Espressomischungen. Auch Indonesien, insbesondere die Insel Sumatra, spielt mit über 800.000 Tonnen Jahresproduktion eine bedeutende Rolle und liegt damit weltweit auf Platz vier, dicht gefolgt von Äthiopien auf Platz fünf. Auch Indien zählt mit gut 360.000 Tonnen Jahresproduktion zu den zehn größten Erzeugerländern; dort wachsen sowohl Robusta- als auch Arabica-Bohnen traditionell im Schatten hoher Bäume, oft gemeinsam mit Pfeffer oder Kardamom in Mischkultur angebaut. Dort hat sich mit dem sogenannten "Giling Basah" (Nassschälung) ein eigenes Verarbeitungsverfahren etabliert, bei dem die Bohnen bei noch hoher Restfeuchte geschält werden. Das Ergebnis sind Kaffees mit ausgeprägt erdigem, holzigem und würzigem Charakter, mit Noten von Gewürznelke und Pfeffer, geringer Säure und vollem Körper.

Warum die Herkunft den Geschmack prägt

Höhenlage, Bodenbeschaffenheit, Niederschlagsmenge, Sortenwahl und Verarbeitungsmethode wirken bei jeder Herkunft zusammen und erzeugen ein Geschmacksprofil, das sich nicht künstlich nachbilden lässt. Je höher eine Kaffeepflanze wächst, desto langsamer reifen die Kirschen – und desto komplexer entwickeln sich in der Regel die Aromen. Das erklärt, warum Hochlandkaffees aus Äthiopien oder Kenia oft lebendiger und säurebetonter schmecken als Tieflandkaffees aus Brasilien oder Vietnam. Wer diese Unterschiede bewusst herausschmecken möchte, sollte helle bis mittlere Röstungen wählen – wie im Artikel Röstgrade erklärt beschrieben – und auf Filtermethoden wie den Hario V60 setzen, die das Terroir einer Herkunft am unverfälschtesten in die Tasse bringen.