Herkunft & Rösterei des Five Elephant Kenya Thunguri AA
Five Elephant wurde im Dezember 2010 von Kris und Sophie Schackman in Berlin gegründet, als das Paar auf einer ruhigen Sackgasse in Kreuzberg sein erstes Café eröffnete. Was als kleiner Kaffeeladen begann, hat sich seither zu einer der bekanntesten Specialty-Coffee-Röstereien Berlins entwickelt, mit mehreren Café-Standorten in der Stadt und einer eigenen Rösterei im Kreuzberger Hinterhof. Kris Schackman beschreibt die Philosophie des Unternehmens als Suche nach Erzeugern, "die sich um ihr Land kümmern", und als Röstansatz, der Tassen entstehen lassen soll, die über den ersten Schluck hinaus interessant bleiben.
In der eigenen Röstphilosophie legt Five Elephant Wert darauf, tendenziell auf der helleren Seite des weltweit üblichen Röstspektrums zu rösten – ein Ansatz, der stark von nordischen Röststilen beeinflusst ist. Statt einen generischen Röstgeschmack zu erzeugen, will die Rösterei nach eigener Aussage zunächst herausfinden, "was eine Bohne zu bieten hat", bevor ein Produktionsprofil festgelegt wird. Ziel ist maximale Aromenklarheit statt eines dominanten Röstcharakters, wie er bei dunkleren Röstungen entsteht. Auf direkte, langfristige Handelsbeziehungen zu den Erzeugerfamilien legt die Rösterei dabei nach eigenen Angaben besonderen Wert.
Der Kenya Thunguri AA stammt aus Kirinyaga County im zentralkenianischen Hochland, nahe der Stadt Karatina, und wird an der Thunguri-Waschstation aufbereitet, die der Kibirigwi Farmers' Cooperative Society angehört. Die 1962 gegründete Genossenschaft nimmt nach Angaben von Five Elephant die Ernte von mehr als 1.000 Kleinbauern entgegen, die neben Kaffee häufig auch Tee und Macadamianüsse anbauen. Die Kaffeekirschen wachsen in vulkanischem Boden auf rund 1.650 Metern Höhe – einer für Kenias beste Anbaulagen typischen Höhenlage.
Verkostung des Five Elephant Kenya Thunguri AA
In der Tasse zeigt der Thunguri AA ein für kenianische Washed-Kaffees charakteristisches, lebendiges Säurebild, das sich hier vor allem über Aromen von reifer schwarzer Johannisbeere, Hibiskus und einer feinen Zitrusnote entfaltet. Anders als bei besonders kräftigen, sirupartigen Kenia-Kaffees bleibt der Körper hier eher mittel und die Tasse insgesamt klarer strukturiert – ein Effekt, den die Rösterei selbst mit einem knackigen, teeartigen Abgang beschreibt, in dem Noten von schwarzem Tee mitschwingen. Süße ist vorhanden und stützt das Fruchtbild, tritt aber, wie bei kenianischen Kaffees häufig, klar hinter die dominante Säure zurück. Bitterkeit spielt bei der hellen Röstung praktisch keine Rolle.
Steckbrief Five Elephant Kenya Thunguri AA:
Röstgrad: Hell
Anbauregion: Kirinyaga County, Kenia (Thunguri Washing Station), ca. 1.650 m Höhe
Aufbereitung: Gewaschen (Washed), getrocknet auf erhöhten Trockenbetten
Röster: Five Elephant, Berlin (gegründet 2010, Gründer: Kris und Sophie Schackman)
Anbau & Verarbeitung im Detail: Die Thunguri-Waschstation
An der Thunguri-Waschstation liefern die Mitglieder der Kibirigwi-Genossenschaft ihre von Hand gepflückten Kaffeekirschen ab; verarbeitet werden dabei ausschließlich die reifen, gut entwickelten Früchte. Nach dem Entpulpen durchlaufen die Bohnen eine nächtliche Fermentation und ein anschließendes Einweichen, bevor sie über rund 14 Tage hinweg langsam auf erhöhten Trockenbetten trocknen. Dieses sorgfältig kontrollierte, mehrstufige Verfahren gilt in der Specialty-Coffee-Szene allgemein als einer der Gründe für die besondere Klarheit kenianischer Kaffees.
Angebaut wird der Thunguri AA überwiegend mit den Sorten SL28 und SL34, zwei in den 1930er- bis 1950er-Jahren in Kenia selektierten Referenzsorten, die für ihr intensives, fruchtbetontes Säureprofil bekannt sind. Die Bezeichnung "AA" verweist dabei, wie bei kenianischem Kaffee üblich, nicht auf ein Geschmacksmerkmal, sondern auf die amtliche kenianische Siebgrößen-Klassifizierung: Sie markiert die größte reguläre Bohnenklasse und gilt als Indikator für gleichmäßig ausgereifte, sorgfältig sortierte Bohnen. Kirinyaga County liegt an den Südhängen des Mount Kenya und zählt neben Nyeri zu den bekanntesten Kaffee-Anbauregionen des Landes; die vulkanischen, mineralreichen Böden der Region gelten als einer der Gründe für die hohe Qualität der dort erzeugten Kaffees.
Zubereitungsempfehlung für den Five Elephant Kenya Thunguri AA
- Hario V60: Die klare Filterextraktion des V60 passt hervorragend zu diesem Kaffee, da sie die feinen Frucht- und Teenoten sauber zur Geltung bringt, ohne den Körper zu überzeichnen. Details zur Zubereitung im Hario V60 Steckbrief.
- AeroPress: Wer eine etwas rundere, vollere Tasse bevorzugt, ist mit der AeroPress gut beraten – ein feinerer Mahlgrad und eine kürzere Ziehzeit betonen dabei die Süße, ohne die Säure zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Mehr dazu im AeroPress-Steckbrief.
Im Vergleich zum The Barn Gatomboya AA aus Nyeri, der mit seiner sirupartigen Textur und dominanten Johannisbeersäure zu den kräftigsten kenianischen Kaffees überhaupt zählt, wirkt der Thunguri AA insgesamt etwas zugänglicher und teeartig-klarer – eine gute Wahl für alle, die die typische kenianische Fruchtsäure kennenlernen möchten, ohne sich gleich für die intensivste Variante zu entscheiden.
Geschmacksprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.