Herkunft & Rösterei des La Cabra Kenya Kiangoi
La Cabra wurde 2012 von Esben Piper in Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Stadt, gegründet – zunächst als kleines Eckcafé, bevor das Unternehmen ab etwa 2013 begann, eigenen Rohkaffee einzukaufen und selbst zu rösten. Aus diesem einen Café ist mittlerweile eine der bekanntesten skandinavischen Specialty-Coffee-Röstereien geworden, mit Cafés und einer Rösterei sowohl in Aarhus als auch in Kopenhagen sowie weiteren Standorten in New York, Bangkok und Oman. In Dänemark beliefert La Cabra nach eigenen Angaben zudem mehrere Michelin-besternte Restaurants mit Kaffee.
Stilprägend für La Cabra ist ein konsequent heller, an der nordischen Röstschule orientierter Ansatz: Statt getrennter Profile für Filter und Espresso entwickelt die Rösterei für jeden Kaffee ein einziges Profil, das den jeweiligen Ursprungscharakter möglichst klar zeigen soll – unter dem Motto "Brighter is Better". Gründer Esben Piper lässt seine Röstungen dabei bewusst länger ruhen als in der Branche üblich, oft drei Wochen oder mehr, damit Kohlendioxid vollständig entweichen kann und die Tasse dadurch klarer und heller wirkt. Direkte, wiederkehrende Beziehungen zu den Erzeugerbetrieben und mehrfache jährliche Reisen in die Anbauländer gehören ebenfalls zum Selbstverständnis des Unternehmens, das seinen Kaffee heute in mehr als 60 Länder verkauft.
Der Kenya Kiangoi stammt aus der Region Ngariama im Kirinyaga County im zentralkenianischen Hochland und wird von der Rungeto Farmers Cooperative Society verarbeitet, die neben der Kiangoi-Station auch die Fabriken Kii und Karimikui betreibt. Die Kirschen wachsen in vulkanischem Boden auf einer für kenianische Spitzenlagen typischen Höhe von rund 1.800 Metern.
Verkostung des La Cabra Kenya Kiangoi
In der Tasse zeigt der Kiangoi das für gewaschene Kenia-Kaffees charakteristische, lebendige Säurebild: Im Vordergrund stehen Aromen von roter Johannisbeere und einer floralen Hibiskusnote, die dem Kaffee eine saftige, klare und geradezu vibrierende Anmutung verleihen. Der helle Röstgrad sorgt dafür, dass diese Fruchtsäure ungebremst zur Geltung kommt, ohne dabei aufdringlich zu wirken – ein Ergebnis, das auch mit La Cabras langer Ruhezeit der Röstung nach dem Rösten zusammenhängt. Der Körper bleibt mittel und angenehm saftig, ohne die für manche Kenia-Kaffees typische, fast sirupartige Schwere zu erreichen. Süße ist als tragende Basis vorhanden, tritt aber, wie bei kenianischen Kaffees üblich, hinter die dominante Säure zurück. Bitterkeit spielt bei dieser hellen Röstung praktisch keine Rolle; der Abgang bleibt frisch und knackig.
Steckbrief La Cabra Kenya Kiangoi:
Röstgrad: Hell
Anbauregion: Kirinyaga County, Kenia (Ngariama, Kiangoi Factory), ca. 1.800 m Höhe
Aufbereitung: Gewaschen (Washed), doppelte Fermentation, getrocknet auf erhöhten Trockenbetten
Röster: La Cabra, Aarhus (gegründet 2012, Gründer: Esben Piper)
Anbau & Verarbeitung im Detail: Doppelte Fermentation an der Kiangoi-Station
An der Kiangoi-Station liefern kleinbäuerliche Betriebe der Rungeto Farmers Cooperative Society von Hand selektiv gepflückte, vollreife Kaffeekirschen ab. Nach dem Entpulpen durchläuft der Kaffee ein zweistufiges Fermentationsverfahren: Auf eine erste, rund zwölf bis 24 Stunden dauernde trockene Fermentation folgt eine zweite Fermentationsphase von etwa zehn bis zwölf Stunden unter Wasser, bevor die Bohnen gewaschen und über mehrere Tage langsam auf erhöhten Trockenbetten getrocknet werden. Diese doppelte Fermentation ist ein in Kenia verbreitetes, aufwendigeres Verfahren, dem viele Röstereien und Farmen eine besonders saubere, intensive und klar definierte Tasse zuschreiben.
Angebaut wird der Kiangoi überwiegend mit den Sorten SL28 und SL34 sowie – wie mittlerweile an vielen kenianischen Stationen üblich – mit einem kleineren Anteil der krankheitsresistenteren Sorte Ruiru 11. SL28 und SL34 wurden bereits in den 1930er- bis 1950er-Jahren in Kenia selektiert und gelten bis heute als Referenzsorten für das intensive, fruchtbetonte Säureprofil, für das kenianischer Kaffee weltweit bekannt ist. Kirinyaga County liegt an den Südosthängen des Mount Kenya; die dortigen vulkanischen, mineralreichen Böden in Kombination mit der Höhenlage um 1.800 Meter gelten neben der sorgfältigen Nassaufbereitung als wesentlicher Grund für die hohe Qualität der hier erzeugten Kaffees.
Zubereitungsempfehlung für den La Cabra Kenya Kiangoi
- Hario V60: Die präzise, klare Extraktion des V60-Handfilters passt hervorragend zu diesem Kaffee, da sie die feine Johannisbeer- und Hibiskusnote sauber und ohne unnötige Trübung zur Geltung bringt. Details zur Zubereitung im Hario V60 Steckbrief.
- Kalita Wave: Wer eine etwas gleichmäßigere, leicht vollere Extraktion bevorzugt, ist mit der Kalita Wave gut beraten – der flache Boden mit drei Löchern sorgt für eine stabilere Wasserführung und rundet die ausgeprägte Säure des Kiangoi etwas ab. Mehr dazu im Kalita Wave Steckbrief.
Im Vergleich zum Five Elephant Kenya Thunguri AA, der mit seiner nächtlichen Einzelfermentation einen eher teeartig-klaren Charakter zeigt, wirkt der Kiangoi durch die doppelte Fermentation an der Kiangoi-Station tendenziell noch etwas intensiver und saftiger in der Fruchtsäure. Gegenüber dem kräftigen, fast sirupartigen The Barn Gatomboya AA bleibt der Kiangoi insgesamt zugänglicher – eine gute Wahl für alle, die die klassische kenianische Johannisbeersäure in einer hellen, nordisch geprägten Röstung kennenlernen möchten, ohne auf Saftigkeit im Körper zu verzichten.
Geschmacksprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der eigenen Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Kaffees bzw. Methoden.